Decubitus:   (Druckgeschwür)
 

Definition:   schlecht und langsam heilende Wunde infolge Minderdurchblutung der Haut bei fehlender

                    Druckentlastung. Es handelt sich hierbei um keine eigenständige Erkrankung, sondern um eine

                    schwerwiegende Komplikation langandauernder Immobilität.
           
Entstehung eines Dekubitus:

                                                  3 wesentliche Faktoren führen zu der Entstehung eines Dekubitus:

 

                                                  1. Druck          (Auflagedruck sowie Scherkräfte)
                                                  2. Dauer          (Druckverweildauer)
                                                  3. Disposition  (Risikofaktoren des Patienten)
 
 
1. Druck
 
Der natürliche Druck in den Kapillargefäßen liegt bei 25 – 30 mmHG.
Dieser Druck wird durch den Auflagedruck leicht übertroffen, so dass es
zu einer Komprimierung dieser Gefäße kommt.
An den betreffenden Stellen kommt es zur Minderdurchblutung, welche dazu
führt, dass das Gewebe dort nicht mehr mit genügend Sauerstoff und den nötigen
Nährstoffen versorgt wird. Bei länger anhaltendem Druck entsteht ein DEKUBITUS
 

Man unterscheidet zwei Druckarten:

 
a. Innerer Druck   - z.B. durch Knochen, die ohne Fett- oder Muskelpolster
   direkt unter der Haut liegen
 
b. Äußerer Druck  - z.B. durch Falten im Bettlaken, ungepolsterte Lagerungsschienen
    Krümel im Bett, etc.
 

 

2. Dauer
 
Die Dauer des Druckes bis zur Entstehung eines Dekubitus kann sehr unterschiedlich
sein und hängt von der Disposition des Patienten ab.
ACHTUNG!!!! Im Extremfall reichen bis zur Entstehung eines Dekubitus 1 – 2 Stunden aus
z.B. wenn die Haut bereits durch Krankheiten vorgeschädigt ist,
-          die die Durchblutung der Haut verschlechtern
-          die die Druckentlastung behindern
 

 

3. Disposition
                       Risikofaktoren:       - Fieber
                                                       - Feuchtigkeit (Mazeration = Aufweichung der Haut)
                                                       - Inkontinenz
                                                       - Adipositas
                                                       - Scherkräfte (Runterrutschen/Hochziehen im Bett)
                                                       - Durchblutungsstörungen (Anämie, Herzinsuffizienz, Diabetes )
                                                       - Immobilität
                                                       - vermindertes Schmerzempfinden
                                                       - Abwehrschwäche durch unzureichende Ernährung
                                                       - reduzierter Allgemeinzustand
                                                       - eingeschränkte Mitarbeit des Patienten
 

 

Dekubituslokalisationen:
 
Grundsätzlich können Druckgeschwüre an allen Körperstellen vorkommen, an denen sich
zwischen der Haut und den darunter liegenden Knochen keine oder nur wenig Muskulatur
und Unterhautfettgewebe befinden.
 
    gefährdete Körperpartien:
 
                   Rückenlage: -           Kreuz- / Steißbein
  -          Schultern
  -          Hinterkopf
  -          Wirbelsäule
  -          Ellenbogen
   
                   Seitenlage: -       Ohrmuschel
  -          Trochanter Major
  -          Knie
  -          Ellenbogen
  -          Fußknöchel
   
                   Sitzposition: -         Fersen, Fußballen
  -          Hinterkopf
  -          Sitzbeinhöcker
  -          Wirbelsäule
                                                                         -          Aussenseite Oberschenkel
   
                   Bauchlage: -          Stirn
  -          Ellenbogen
  -          Beckenknochen
  -          Rippen
  -          Kniescheibe
  -          Zehen
 
In rund 60% aller Fälle entstehen Dekubiti im Becken- und Fersenbereich. Daher sollte diesen
Regionen die größte Aufmerksamkeit zuteil werden.
Es ist daher sinnvoll, auf Inkontinenzmaterial ( Windeln) und Socken zu verzichten, damit eine
genauere Beobachtung der betreffenden Hautregionen möglich ist.
 
 

 

Prophylaxe   ( Vorbeugung)
 
Oberste Priorität (da Hauptursache) :
                                                               Druckentlastung
                                                                                             -          durch Mobilisation
                                                                                             -          durch Lagerung
 
                                                               unterstützend
                                                                                             -          regelmäßige Hautbeobachtung
                                                                                             -          individuelle Hautpflege
                                                                                             -          Förderung des Allgemeinzustandes
 
1. Mobilisation
 
                  - sollte so früh wie möglich einsetzen
                  - hierzu zählt auch das passive Bewegen im Bett
                  - Mobilisationsgrad sollte immer weiter je nach Fähigkeit des Patienten gesteigert werden
 
2. Lagerung
 
            -          Lagewechsel ist grundsätzlich effektiver als Weichlagerung
            -          Häufigkeit des Lagewechsels muß individuell angepasst werden
                       (Richtwert alle 2 Stunden – kann jedoch auch in deutlich kürzeren Abständen nötig sein)
            -          Mikrolagerung
            -          Weichlagerung bewirkt durch größere Auflagefläche eine bessere Druckverteilung
 
3. regelmäßige Hautbeobachtung
 
            -          bei der Körperpflege, beim Umlagern, bei der Mobilisation
            -          Hautfarbe (z.B. rötlich, bläulich, blass)
            -          Hautzustand (Bläschen, Läsionen, trocken oder feucht)
 
4. Hautpflege
            -          lediglich unterstützend (ersetzt nicht die Lagerung)
            -          sollte individuell auf den Hauttyp abgestimmt sein
            -          reine Fettcremes wie Vaseline oder Babyöl eignen sich nicht,
                       da sie den natürlichen Wärme- und Wasseraustausch der Haut
                       verhindern
 
Der Dekubitus ist eine der schwersten Komplikationen bei Immobilität, der lebensbedrohliche Folgen
haben kann.
Um die Wirksamkeit der Maßnahmen kontrollieren zu können, ist eine genaue Wunddokumentation
(möglichst mit Fotos) unabdingbar.
 
 

 

Die verschiedenen Entwicklungsstufen eines Dekubitus:
 
Grad I:        scharf begrenzte Rötung ohne Hautläsion, die auch nach
                    zweistündiger Druckentlastung nicht verschwunden ist
 
Grad II:      Oberflächenschädigung der Haut in Form einer geschlossenen
                    oder bereits geöffneten Blase, die sich leicht infizieren kann
 
 Grad III:   Schädigung aller Hautschichten und des Unterhautfettgewebes;
                    der Defekt reicht bis zur Muskelfaszie
 
Grad IV:   Schädigung der Haut und aller Weichteilschichten;
                  der  darunter liegende Knochen liegt frei, was mit einer Knochenmarks-
                  entzündung einhergehen kann.
 
 

 

Behandlung eines Dekubitus
                                                   -    konsequente Druckentlastung
                                                   -    Wundbehandlung   obliegt grundsätzlich dem behandelnden Arzt
                                                   -    wird dem Grad der Wunde angepasst
                                                   -    Nekrosenabtragung
                                                   -    Reinigung, Granulationsförderung (durch Wundauflagen)
                                                   -    zusätzlich ausreichende Flüssigkeitszufuhr
                                                   -    ausgewogene Ernährung (Eiweiß-, Zink- und Vitaminzufuhr)
 
Folgende „althergebrachten“ Maßnahmen sollten nicht mehr angewandt werden:
                   - Fettsalben:   wenn Fettsalben angewandt werden, dann nur über einen kurzen Zeitraum
                      und bei extrem trockener Haut
                      Fettsalben verstopfen die Poren und verhindern so den natürlichen
                      Wärme- und Wasseraustausch der Haut
                   - Eisen und Föhnen:
                      Ist zur Steigerung der Durchblutung absolut wirkungslos.
                      Gefahr von Kälteschäden und Verbrennungen
                      Keime werden durch die Luft gewirbelt und bewirken ein erhöhtes
                      Infektionsrisiko.
                   - Franzbranntwein:
                      Hautrisse, durch die Keime eindringen können.
                   - quecksilberhaltige Antiseptika (Mercurochrom)
                      Quecksilber wird über die Haut resorbiert und lagert sich an den Organen
                      ab. Dies kann zu schwerwiegenden Schäden führen.
                      Es zerstört den Säureschutzmantel der Haut.
                      Durch die grellrote Farbe können Hautveränderungen nur schwer
                      Beurteilt werden.
                    - Desinfektionsmittel und Antiseptika nicht prophylaktisch verwenden
                    - Gummiunterlagen und mit Plastik beschichtete Inkontinenzartikel
                       Diese Materialien hindern die Haut daran, den optimalen
                       Flüssigkeitsgehalt selbst zu bestimmen. (Haut schwitzt)
 
 
 
Impressum

                                                              Ambulante Kranken & Altenpflege Gerd Jonas